Herausforderungen der Pflege - Diskussionsabend mit Karl Lauterbach und Nina Scheer

b_300_0_16777215_00_images_2016-11-03-Lauterbach_Scheer_Habersaat-HP.jpgAuf Initiative der örtlichen SPD-Bundestagsabgeordneten Dr. Nina Scheer hatte sie gemeinsam mit ihrem Fraktionskollegen Prof. Dr. Karl Lauterbach eingeladen, um mit interessierten Bürgerinnen und Bürgern über ‚Pflege im Lichte des demografischen Wandels’ zu diskutieren.

In ihrer Einführung eröffnete Nina Scheer verschiedene Perspektiven: „Die niedrige Geburtenrate, steigende Lebenserwartung, aber auch technischer Fortschritt und nicht zuletzt die Digitalisierung sind gesellschaftliche Entwicklungen mit Auswirkungen auch auf die Pflege.“ Dabei spielten auch ethische Fragen eine Rolle, etwa im Umgang mit Erkenntnissen über den Gesundheitszustand.

Bis zum Jahr 2030 wird es 800.000 Pflegebedürftige mehr geben als heute. Und das sei erst der Anfang, referierte Prof. Dr. Karl Lauterbach: „2030 werden erst die Eltern der Baby-Boomer pflegebedürftig, die größeren Jahrgänge kommen dann erst noch.“ Deshalb müsse es schon heute darum gehen, die Weichen für mehr und gut qualifiziertes Personal zu stellen.

Der Gartensaal des Reinbeker Schlosses war mit circa 90 Gästen gut besetzt. Mucksmäuschenstill war es, als Lauterbach über die Herausforderungen der Pflege und Entwicklungen im Gesundheitsbereich referierte. Vor allem das Thema Demenz werde immer mehr an Bedeutung gewinnen. So würden in Zukunft neun von zehn Pflegebedürftigen unter Demenz leiden. Allerdings schob Lauterbach auch immer wieder „den Horizont erhellende“ Passagen ein. Schließlich werde die Demenz deshalb eine größere Herausforderung, weil immer weniger Menschen an Herzinfarkten oder Schlaganfällen sterben, bevor sie dement werden können. Eine große Aufgabe sowohl in der Forschung als auch der Weitervermittlung in die medizinische Praxis hinein liege auch darin, Nebenwirkungen von Medikamenten, die das Demenzrisiko verstärken könnten, zu vermeiden bzw. zu umgehen. Hier sei eine gesonderte Herausforderung, auf die individuelle Korrelation zu anderen möglichen Risikofaktoren zu achten.

Ausführlich ging Lauterbach auch auf die Pflegereformpakete der jüngsten Zeit ein, den Pflegestärkungsgesetzen I bis III sowie die Reform der Pflegeberufe. Letztere bedürfe noch einer Einigung zwischen den Koalitionsfraktionen, die von der Unionsfraktion zuletzt verweigert wurde.

Lauterbach verteidigte die hierbei verfolgte generalistische Ausbildung als Möglichkeit, mehr Menschen für die Pflegeberufe durch eine Durchlässigkeit zwischen den Berufen zu gewinnen. Dies könne zudem die in der Pflege zu niedrigen Einkommen mit nach oben ziehen. Zu der Einführung von Pflegegraden statt der bisherigen Pflegestufen konnte Lauterbach verbreitete Sorgen ausräumen: „Keiner wird durch die Pflegegrade schlechter gestellt.“ Anders als die Stufen zielten die Grade darauf, was die Menschen noch leisten könnten. Hiermit werde die Pflege besser individualisierbar und mehr Pflege für psychisch und an Demenz Erkrankte möglich.

Den vielfältigen und interessierten Fragen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer gab der örtliche SPD-Landtagsabgeordnete Martin Habersaat in seiner Moderation hinreichend Raum, sodass der Abend über knapp drei Stunden mit höchster Aufmerksamkeit tiefe Einblicke in sowohl medizinische Details als auch politische Aufgaben der Rahmensetzung gab. Dabei erläuterte Lauterbach auch bestehende Ungerechtigkeiten aufgrund von Zweiklassenmedizin. Die Blockade des Koalitionspartners gegen die Einführung einer Bürgerversicherung hatte Lauterbach schon zu Zeiten der letzten großen Koalition kritisiert. Kritisch wurde auch die Einflussnahme der Pharmaindustrie benannt.

Foto: v.l.n.r. Karl Lauterbach, Nina Scheer, Martin Habersaat
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