Scheer: Union bricht mit Energiewende-Verweigerung Koalitionsvertrag

Veröffentlicht von Nina Scheer 3. Dezember 2019

Zur aktu­el­len Dis­kus­si­on zu Kli­ma­schutz­maß­nah­men der Gro­ßen Koali­ti­on erklärt die SPD-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Dr. Nina Scheer, Ener­gie- und Umwelt­po­li­ti­ke­rin:

„Wäh­rend nach außen Kli­ma­schutz geei­nigt wird, bewir­ken CDU/CSU nach innen den Aus­ver­kauf und sogar Rück­bau Erneu­er­ba­rer Ener­gi­en – auf Kos­ten zig­tau­sen­der Arbeits­plät­ze. Damit ver­wei­gert Peter Alt­mai­er die Ener­gie­wen­de. Statt bestehen­de Geneh­mi­gungs­hemm­nis­se für Wind­ener­gie zu besei­ti­gen, wer­den wei­te­re geschaf­fen. Dies unter­gräbt das – für sich genom­men schon nicht aus­rei­chen­de – Ziel der Gro­ßen Koali­ti­on, die Kli­ma­schutz­lü­cke bis 2020 so weit wie mög­lich zu schlie­ßen und bis 2030 einen Aus­bau von Strom aus Erneu­er­ba­ren Ener­gi­en von 65 % zu errei­chen. So wer­den mona­te­lang Akzep­tanz­fra­gen vor­an­ge­stellt, statt dem Bun­des­ka­bi­nett umge­hend die bereits geei­nig­te gesetz­li­che Strei­chung des bestehen­den Aus­bau­de­ckels für Solar­ener­gie (52 GW Pho­to­vol­ta­ik) vor­zu­le­gen. Letz­te­res wäre mit nur einem ein­zi­gen Satz umzu­set­zen.

Zwar ent­hält der Koali­ti­ons­ver­trag auf Ver­an­las­sung von CDU/CSU auch wider­sprüch­li­che Aus­sa­gen, von denen sich Hemm­nis­se für die Ener­gie­wen­de ablei­ten las­sen. Hier­zu zäh­len etwa Aus­sa­gen zur Akzep­tanz und Strom­net­zen. Die Akzep­tanz der Ener­gie­wen­de ist aller­dings bereits mit dem beschlos­se­nen Atom- und ver­ein­bar­ten Koh­le­aus­stieg beant­wor­tet und wach­sen­de Strom­men­gen kön­nen etwa für Mobi­li­tät und für Was­ser­stoff­ge­win­nung auch mit der bestehen­den Netz­in­fra­struk­tur auf­ge­nom­men wer­den.

Wer sich für Kli­ma­schutz aus­spricht muss Ener­gie­wen­de umset­zen. Die pau­scha­le 1000-Meter-Abstands­re­ge­lung für Wind­ener­gie an Land muss aus dem Kli­ma­schutz­plan gestri­chen wer­den und durch einen Abbau einer Viel­zahl von Hemm­nis­sen für Erneu­er­ba­re Ener­gi­en und Spei­cher ersetzt wer­den.

Fakt ist, dass beim Kli­ma­schutz bis­lang allein das Kli­ma­schutz-Res­sort und damit die SPD gelie­fert hat. Maß­nah­men der Ener­gie­wen­de (Wirt­schafts­res­sort) sind hin­ge­gen ‚wei­ße Fle­cken’, womit die Ener­gie­wen­de in Deutsch­land inzwi­schen gänz­lich zu schei­tern droht. Wenn Ange­la Mer­kel und Peter Alt­mai­er ihre Ener­gie­wen­de-Ver­pflich­tun­gen wei­ter ver­leug­nen und aus­sit­zen, ist dies ein Bruch des Koali­ti­ons­ver­tra­ges, auf den die SPD reagie­ren muss – in letz­ter Kon­se­quenz auch mit dem Aus­stieg aus der Gro­ßen Koali­ti­on.“

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