Persönliche Erklärung: Er­gänzung des Bundeswehr-Ein­satzes im Irak

Veröffentlicht von Nina Scheer 25. März 2020

Per­sön­li­che Erklä­rung der Abge­ord­ne­ten Dr. Nina Scheer zum Abstim­mungs­ver­hal­ten nach § 31 der Geschäfts­ord­nung des Deut­schen Bun­des­ta­ges über die Bera­tung der Beschluss­emp­feh­lung und des Berichts des Aus­wär­ti­gen Aus­schus­ses (3. Aus­schuss) zu dem Antrag der Bun­des­re­gie­rung

 „Ergän­zung des Ein­sat­zes bewaff­ne­ter deut­scher Streit­kräf­te – Sta­bi­li­sie­rung sichern, Wie­der­erstar­ken des IS ver­hin­dern, Ver­söh­nung för­dern in Irak und Syri­en“, BT-Druck­sa­chen 19/17790, 19/18147 am 25. März 2020

Wie bereits die vor­an­ge­gan­ge­nen Anträ­ge zur Ertei­lung eines Bun­des­wehr­man­dats, ist auch der heu­te zur Abstim­mung ste­hen­de Antrag von dem Bestre­ben getra­gen einen Bei­trag zum Schutz der Staat­lich­keit des Irak sowie für die Sta­bi­li­tät der gesam­ten Regi­on zu leis­ten, die ange­sichts der IS-Ter­ro­ris­ten immer noch in aku­ter Gefahr ist.

Deutsch­land möch­te hier­mit den Auf­bau selbst­tra­gen­der und ver­läss­li­cher Struk­tu­ren und Fähig­kei­ten in Irak auf Bit­te der ira­ki­schen Regie­rung unter­stüt­zen. Die Betei­li­gung an der Nato-Mis­si­on ist auf die Zustim­mung der ira­ki­schen Regie­rung vom 14. April 2014 zurück­zu­füh­ren. Am 5. Janu­ar 2020 for­der­te jedoch das ira­ki­sche Par­la­ment die Regie­rung per nicht-bin­den­der Ent­schlie­ßung auf, die Prä­senz aus­län­di­scher Trup­pen in Irak zu been­den. Die geschäfts­füh­ren­de ira­ki­sche Regie­rung unter Pre­mier­mi­nis­ter Abdul Mah­di erneu­er­te jedoch sein Ein­ver­ständ­nis zu der Nato-Mis­si­on am 12. Febru­ar 2020 und mach­te deut­lich, dass das inter­na­tio­na­le Enga­ge­ment für den Kampf gegen IS, für die Aus­bil­dung und Bera­tung der ira­ki­schen Streit – und Sicher­heits­kräf­te und die Sicher­stel­lung des staat­li­chen Gewalt­mo­no­pols von gro­ßer Bedeu­tung blei­be.

Das Ergän­zungs­man­dat sieht vor, den Ein­satz mili­tä­ri­scher Tank­flug­zeu­ge über den 31. März hin­aus zu ver­län­gern. Zusätz­lich wird Deutsch­land Luft­trans­port­ka­pa­zi­tä­ten für die Anti-IS-Koali­ti­on, aber auch für inter­na­tio­na­le Orga­ni­sa­tio­nen, Alli­ier­te und Part­ner schaf­fen. Zwar wer­den ab dem 31. März auf Initia­ti­ve der SPD-Frak­ti­on kei­ne Auf­klä­rungs­flü­ge mehr von deut­schen Tor­na­dos über­nom­men, die Luft­be­tan­kung für ande­re Part­ner der Anti-IS-Koali­ti­on setzt die Luft­waf­fe jedoch fort und mit einem Luft­raum­ra­dar will Deutsch­land zudem einen Bei­trag dabei leis­ten, Flug­zeu­ge und Rake­ten früh­zei­tig zu erken­nen. Die lau­fen­de Aus­bil­dungs­hil­fe der Bun­des­wehr für Sicher­heits­kräf­te im Zen­tra­li­rak, bis­her Teil der Anti-IS-Koali­ti­on, soll auch im Rah­men der NATO-Aus­bil­dungs­mis­si­on orga­ni­siert wer­den kön­nen.

Mili­tä­risch-frie­dens­si­chern­de Maß­nah­men soll­ten nach mei­ner fes­ten Über­zeu­gung (neben fort­wäh­ren­den diplo­ma­ti­schen Bezie­hun­gen) über UN-Frie­dens­mis­sio­nen erfol­gen.

Der Ergän­zung des Man­dats der Bun­des­wehr im Irak und in Syri­en kann ich vor dem genann­ten Hin­ter­grund und der fort­wäh­ren­den gegen­sei­ti­gen Angrif­fe zwi­schen USA und ira­ki­schen Mili­zen nicht zustim­men. Ein Ver­bleib der Bun­des­wehr ist mit Blick auf den Beschluss des ira­ki­schen Par­la­ments zum Abzug aller aus­län­di­schen Trup­pen zudem mit dem Risi­ko ver­bun­den, dass jene vor Ort als Besat­zungs­macht wahr­ge­nom­men wird.

Inso­fern stim­me ich bei der Man­dats­er­tei­lung zur Ver­län­ge­rung des benann­ten Bun­des­wehr­ein­sat­zes – wie bereits bei den vor­aus­ge­gan­ge­nen Man­da­ten – mit Nein.  

 

Dr. Nina Scheer, MdB
Ber­lin, 25. März 2020

 

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