Persönliche Erklärung: Der BDS-Bewegung entschlossen entgegentreten

Veröffentlicht von Nina Scheer 20. Juni 2019

Per­sön­li­che Erklä­rung der Abge­ord­ne­ten Niels Annen (SPD), Hei­ke Baeh­rens (SPD), Ulri­ke Bahr (SPD), Doris Bar­nett (SPD), Dr. Mat­thi­as Bart­ke (SPD), Bär­bel Bas (SPD), Mar­ga­re­te Bau­se (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN), Dr. Dan­y­al Bayaz (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN), Lothar Bin­ding (Hei­del­berg) (SPD), Dr. Fran­zis­ka Brant­ner (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN), Leni Brey­mai­er (SPD), Agniesz­ka Brug­ger (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN), Dr. Karl-Heinz Brun­ner (SPD), Dr. Lars Castel­luc­ci (SPD), Dr. Anna Christ­mann (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN), Bern­hard Dal­drup (SPD), Dr. Danie­la De Rid­der (SPD), Ekin Deli­göz (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN), Dr. Karam­ba Dia­by (SPD), Harald Ebner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN), Yas­min Fahi­mi (SPD), Mat­thi­as Gast­el (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN), Ste­fan Gelb­haar (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN), Mar­tin Gers­ter (SPD), Ange­li­ka Glöck­ner (SPD), Kat­rin Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN), Timon Grem­mels (SPD), Bet­ti­na Hage­dorn (SPD), Anja Haj­duk (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN), Brit­ta Haßel­mann (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN), Dirk Hei­den­blut (SPD), Gabrie­la Hein­rich (SPD), Dr. Bet­ti­na Hoff­mann (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN), Dr. Anton Hof­rei­ter (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN), Ott­mar von Holtz (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN), Die­ter Jan­e­cek (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN), Oli­ver Kacz­ma­rek (SPD), Eli­sa­beth Kai­ser (SPD), Ralf Kap­schack (SPD), Sven-Chris­ti­an Kind­ler (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN), Can­sel Kizil­te­pe (SPD), Arno Kla­re (SPD), Oli­ver Kri­scher (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN), Chris­ti­an Kühn (Tübin­gen) (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN), Stef­fi Lem­ke (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN), Dr. Tobi­as Lind­ner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN), Kirs­ten Lüh­mann (SPD), Chris­toph Mat­schie (SPD), Dr. Mat­thi­as Miersch (SPD), Dr. Ire­ne Miha­lic (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN), Klaus Min­drup (SPD), Fal­ko Mohrs (SPD), Clau­dia Mül­ler (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN), Ulli Nis­sen (SPD), Dr. Kon­stan­tin von Notz (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN), Omid Nou­ripour (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN), Cem Özde­mir (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN), Aydan Özoğuz (SPD), Dr. Sascha Raa­be (SPD), Sön­ke Rix (SPD), René Rös­pel (SPD), Tabea Röß­ner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN), Dr. Manue­la Rott­mann (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN), Corin­na Rüf­fer (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN), Johann Saat­hoff (SPD), Manu­el Sar­ra­zin (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN), Dr. Nina Scheer (SPD), Mari­an­ne Schie­der (SPD), Ste­fan Schmidt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN), Johan­nes Schraps (SPD), Kor­du­la Schulz-Asche (BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN), Frank Schwa­be (SPD), Ste­fan Schwart­ze (SPD), Mar­ti­na Stamm-Fibich (SPD), Mathi­as Stein (SPD), Mar­git Stumpp (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN), Kers­tin Tack (SPD), Mar­kus Tres­sel (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN), Dirk Vöpel (SPD), Bernd West­phal (SPD), Ger­hard Zicken­hei­ner (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) und Dag­mar Zieg­ler (SPD)

zum Abstim­mungs­ver­hal­ten nach § 31 Absatz 1 der Geschäfts­ord­nung des Deut­schen Bun­des­ta­ges über den Antrag der Frak­tio­nen CDU/CSU, SPD, FDP und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Der BDS-Bewe­gung ent­schlos­sen ent­ge­gen­tre­ten – Anti­se­mi­tis­mus bekämp­fen (Druck­sa­che 19/10191):

Ange­sichts der his­to­ri­schen Ver­ant­wor­tung Deutsch­lands ist es ein hoher Wert, dass sich der Deut­sche Bun­des­tag in gro­ßer Mehr­heit, über Frak­ti­ons­gren­zen hin­aus, immer wie­der zur Sicher­heit und dem Schutz Isra­els wie zum Kampf gegen den Anti­se­mi­tis­mus bekennt.

Zu unse­rer Soli­da­ri­tät mit Isra­el gehört eine Ableh­nung von Boy­kott­auf­ru­fen gegen den Staat Isra­el, wie sie von der BDS-Bewe­gung ver­tre­ten wer­den. Boy­kott­auf­ru­fe wie BDS, die kei­ne zen­tral gesteu­er­te Orga­ni­sa­ti­on ist, tref­fen alle israe­li­schen Staats­bür­ge­rin­nen und Staats­bür­ger gleich wel­chen Glau­bens oder poli­ti­schen Aus­rich­tung. Zudem gehen sol­che Kam­pa­gnen wie BDS immer wie­der mit anti­se­mi­ti­schen Stel­lung­nah­men ein­her. Unser Zei­chen gegen die anti­se­mi­ti­schen Argu­men­ta­ti­ons­mus­ter und Metho­den in Tei­len der BDS-Bewe­gung ver­steht sich als Teil einer gesell­schafts­po­li­ti­schen Kern­auf­ga­be: des Kamp­fes gegen Anti­se­mi­tis­mus und alle For­men von Dis­kri­mi­nie­rung und Men­schen­feind­lich­keit, ganz gleich aus wel­chen Ideo­lo­gi­en sie sich spei­sen.

Der kri­ti­sche Umgang mit israe­li­scher Regie­rungs­po­li­tik ist von Meinungs‑, Pres­se- und Äuße­rungs­frei­heit geschützt und muss selbst­ver­ständ­lich in Deutsch­land genau­so wie in Isra­el erlaubt sein. Für uns ist ein Bekennt­nis zur Mei­nungs­frei­heit ele­men­tar, die selbst­ver­ständ­lich auch ein brei­tes Spek­trum von Stim­men aus der israe­li­schen wie paläs­ti­nen­si­schen Zivil­ge­sell­schaft und Poli­tik umfasst. Die Beden­ken, wie sie etwa in einem offe­nen Brief zahl­rei­cher israe­li­scher und jüdi­scher Aka­de­mi­ker und Aka­de­mi­ke­rin­nen an Abge­ord­ne­te des Bun­des­ta­ges geschil­dert wur­den, neh­men wir sehr ernst. Der Beschluss des Bun­des­ta­ges darf auch nicht benutzt wer­den, um eine kri­ti­sche und kon­struk­ti­ve Aus­ein­an­der­set­zung hier in Deutsch­land und vor Ort zu unter­bin­den.

Boy­kott­auf­ru­fe, wie sie von der BDS-Bewe­gung aus­ge­hen, sind auch der Ver­such einer Ein­schrän­kung der Meinungs‑, Kunst- und Wis­sen­schafts­frei­heit; sie sind auch ein Hin­der­nis für eine Frie­dens­lö­sung im israe­lisch-paläs­ti­nen­si­schen Kon­flikt. Wir ver­bin­den daher mit dem vor­lie­gen­den Antrag auch unser Bekennt­nis zu einer Zwei­staa­ten­re­ge­lung des Kon­flikts, wie sie vom Sicher­heits­rat der Ver­ein­ten Natio­nen zuletzt in der Reso­lu­ti­on 2334 (2016) bekräf­tigt wur­de. Der Beschluss des Bun­des­ta­ges darf nicht dazu füh­ren, dass Pro­jek­te und Akti­vi­tä­ten nicht mehr unter­stützt wer­den, die sich für eine fried­li­che Lösung enga­gie­ren. Wir beto­nen, dass ins­be­son­de­re die Unter­schei­dung zwi­schen dem Ter­ri­to­ri­um des Staats Isra­el und den seit 1967 besetz­ten Gebie­ten, im Ein­klang mit die­ser Reso­lu­ti­on, nicht mit BDS gleich­zu­stel­len ist. Nur mit einer Zwei­staa­ten­re­ge­lung kön­nen Isra­els Fort­be­stand als demo­kra­ti­scher Staat und natio­na­le Heim­stät­te des jüdi­schen Volks und zugleich die Rech­te der Paläs­ti­nen­ser in einem eige­nen Staat gewähr­leis­tet wer­den. Zu den Hin­der­nis­sen auf dem Weg zu einer Zwei­staa­ten­re­ge­lung zäh­len aber nicht nur Boy­kott­auf­ru­fe wie BDS, Gewalt­an­wen­dung wie die Rake­ten­an­grif­fe der Hamas oder die feh­len­de Demo­kra­tie und Rechts­staat­lich­keit auf paläs­ti­nen­si­scher Sei­te, son­dern auch die fort­dau­ern­de Besat­zung und die dro­hen­de Anne­xi­on paläs­ti­nen­si­scher Gebie­te, der völ­ker­rechts­wid­ri­ge Sied­lungs­bau und die Blo­cka­de des Gaza­strei­fens durch Isra­el.

Es ist für uns daher von ent­schei­den­der Bedeu­tung, dass die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land und ihre Zivil­ge­sell­schaft, bei­spiels­wei­se durch die poli­ti­schen Stif­tun­gen, mit einem brei­ten Spek­trum zivil­ge­sell­schaft­li­cher Orga­ni­sa­tio­nen in Isra­el und Paläs­ti­na zusam­men­ar­bei­ten, die sich für die­se Zie­le ein­set­zen und dabei Gewalt als Mit­tel poli­ti­scher Aus­ein­an­der­set­zung ableh­nen. Die­ser Aus­tausch belebt die poli­ti­sche Debat­te in Deutsch­land. Es ist für uns selbst­ver­ständ­lich, dass wir die paläs­ti­nen­si­sche oder israe­li­sche Zivil­ge­sell­schaft bei der Wahl ihrer poli­ti­schen Stra­te­gi­en nicht bevor­mun­den.


Dr. Nina Scheer, MdB
Ber­lin, 17. Mai 2019

Erklä­rung nach § 31 GO BT als Pdf